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Innerhalb der Geistes- und Kulturwissenschaften gehört es zum guten Ton eine gewisse Technikfeindlichkeit zu pflegen. Nichts als rechte Winkel überall. Wir sind doch alle Maschinen geworden... Haben den Kontakt zur Natur verloren, unsere Sinnlichkeit.
Die Natur ist uns leider so fern, sagen viele. Damit meinen sie dann nicht die Pest-Erreger, Viren, Zunamis und Erdrutsche, sondern die unberührte Lichtung in einem Wald, mit Vogelgezwitscher, Tautropfen und den weidenden Dodos.
Ich muss gestehen, eine Fahrt in Wien auf dem Kettenkarussell des Praters ist mir viel lebendiger in Erinnerung geblieben als ein Besuch des kunsthistorischen Museums am Tag davor. Auch das Beschleunigen im Flugzeug oder im Auto ist im Vergleich zu vielen Kunstwerken ein unvergessliches Erlebnis.
Das mag daran liegen, dass wir verlernt haben, es einfach nicht gewohnt sind, uns eine halbe Stunde lang vor ein Gemälde zu stellen und uns ganz darin zu versenken. Aber ist das überhaupt erstrebenswert? Kann es nicht mindestens genauso erkenntnisreich und lustvoll sein, sich in den Autosessel zu schmiegen und mit allem, was uns an sinnlicher Wahrnehmung zu Verfügung steht den wachsenden Druck der Beschleunigung zu erleben?
Nicht wir müssen uns an die alte Kunst anpassen, die Kunst muss lernen mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen und Nanointervalle zu erzeugen.
Die Technik ist ein Katalysator für die Kunst. Die Technik, die die Massenmedien möglich macht, ist auch der beste Vermittler für Kunst und Musik, den es jemals geben wird. Niemals zuvor stand jedem von uns so viel der reichsten und vielfältigsten Kunstschätze zu Verfügung. Jeder kann quasi auf Knopfdruck die schönsten Werke der gesamten Musikgeschichte, eingespielt von den besten Musikern der Welt hören. Jeder kann auf Knopfdruck die intelligentesten und schönsten Bilder der ganzen Welt und aller Zeiten betrachten und sie als fast perfekten Nachdruck über sein Sofa hängen. Mühelos befestigt mit Spreizdübeln, Bluetag oder Posterstrips – selbst auf der mürbsten Altbauwand.
Nicht nur das. Jedem von uns stellt die Technik heute Mittel des künstlerischen Ausdrucks zur Verfügung, die es uns ein leichtes machen, unsere Sinneswahrnehmung zu schulen und unser ganzes Leben en passant am Feierabend in künstlerischen Werken festzuhalten und diese an ein weltweites Publikum zu übermitteln.
Nicht die Technik ist das Problem sondern unsere Einstellung ihr gegenüber. Wir müssen sie ebenso wie die Kunst und die Natur mit unserem Alltagsleben verweben.
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