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Ängste vor den allgegenwärtigen Bedrohungen des kalten Krieges und die antiautoritäre Einstellung der 68er bildeten den Hintergrund, vor dem Datenschutz und Privatsphäre in den 70er und 80er Jahren an Bedeutung gewannen.
In die Tradition dieser Entwicklung stellen sich nun bewusst oder unbewusst ältere Kommentatoren, wenn sie zur Vorsicht im Internet mahnen. Sie sehen die meist jüngeren Mitglieder von StudiVZ, Facebook und Co. »in den Fängen der Datenkrake« und als Schreckgespenst beschwören sie Visionen vom »gläsernen Menschen«.
Als ein typischer Adressat dieser Warnungen bedanke ich mich für die Fürsorge. Gleichzeitig bitte ich aber die altgedienten Verfechter des Datenschutzes, sich hinter ihren Firewalls hervor zu wagen und genau hinzusehen.
Der Lebenswandel der meisten Menschen ist seit den 70er Jahren individualistischer geworden. Ob wir diese Entwicklung nun gutheißen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Durch Fortschritte in Kunst und Wissenschaft haben wir neue Erkenntnisse über unser Naturell gewonnen und interessieren uns dementsprechend immer mehr für individuellen Wehwehchen, Stärken und Schwächen. Wir reden über unseren Biorythmus, unsere sexuellen Vorlieben und Karriereträume. Das ist gut. Denn eine Gesellschaft von Eigenbrötlern, in der jeder das macht was er will, aber niemandem davon erzählt, bringt Neid und Misstrauen.
Die meisten Mitglieder der Internet-Communities und Netzwerke sind keine Freiheitskämpfer, die sich todesmutig für eine Minderheit einsetzen oder Geläuterte, die reumütig ihre Sünden gestehen. Ihr Mut jedoch besteht darin, aus der eigenen, begrenzten Welt zu erzählen. Damit erweitern sie unserer Bewusstsein und unsere Akzeptanz für andere Lebensformen.
Bereits heute ist es ein Leichtes, den genetischen Code eines Menschen aus biologischem Abfall auszulesen. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir ihm auch wichtige Persönlichkeitsmerkmale entnehmen können. Je mehr die Menschen zu diesem Zeitpunkt über sich wissen und sich mit anderen darüber austauschen, umso menschlicher und sozialer wird der Umgang mit dem brisanten aber abstraktem Genwissen ausfallen.
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