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Abriss einer Reise nach.. (Text) Drucken E-Mail

Zwei Männer und eine Kuh, Foto aus Mandi/Himachal Pradesh

Siehe auch Abriss einer Reise nach..(Performance) in der Kategorie Filme..

 

Die beiden Männer warteten. Auf den Bus. Ich wartete auch; worauf wusste ich nicht. Die Kuh wartete nicht. Oder zumindest wusste sie nicht, ob sie wartete. Die Kuh ließ mich wissen, du bist in Indien. Ich hatte mal einen Onkel, der nach Indien gefahren war um sich selbst zu finden. Mittlerweile handelte er mit Pashmina-Schals aus dem Himalaja.

Eine Hand bot mir ein Glas Tee. Die Männer und die Kuh waren immer noch da. Ich wusste nicht mehr, ob meine Augen nach innen oder nach außen schauten. Plötzlich verlor einer der wartenden Männer seinen Kopf. Was sollte er auch seine Zeit vergeuden? Ohne Kopf erinnerte mich der Mann an jemanden. Ein kleiner Junge schaute mich fragend und misstrauisch an. Vor einigen Tagen hatte ich ihn im Gebirge getroffen; oder war er nur das Motiv einer Postkarte gewesen, die ich irgendwann gekauft und knitternd und faltend in meinem Rucksack vergessen hatte? Die Bretterwand um den Jungen herum wuchs. Ich wollte ihm zurufen - er solle doch hinauskommen und mir seine Mütze zeigen, doch ich kannte seinen Namen nicht. »Radjesch« rief ich schließlich. Es war der einzige indische Name, der mir einfiel. Seltsamerweise schien er darauf zu hören, denn sein Gesicht erhellte sich. Vielleicht war es aber auch nur die Sonne, auf die er gewartet hatte. »Sir it's really good tea«, erklang wieder die Stimme hinter mir.

Ich drehte mich ein wenig zur Seite und sah drei Esel. Gehörten sie Radjesch? Nein. Er besaß nur einen Hund, der mich beinah gebissen hätte. Den Eseln fehlten die Köpfe. Nach einiger Zeit erkannte ich sie dennoch. Sie waren aus Lamu, einer Insel im Indischen Ozean, auf der es keine Autos gibt. »My friend do you want donkey ride? If we had cars in Lamu, my donkey would be a Mercedes Benz.« Ich war auf einem der Esel geritten. Hinterher hatte ich ihn dann zusammen mit zwei Katzen an einer Straßenecke getroffen. Sie sagten man könne auf Lamu schwimmen, ohne nass zu werden, träumen ohne zu schlafen und finden ohne zu suchen. Trotzdem hatte ich etwas verloren.
Oder es war gar nicht Lamu? Vielleicht war es nichts. Ein Phantomschmerz, eine veraltete Straßenkarte. Versehentlich hatte ein Esel seinen Kopf im Bild. Aber sein Auge war leer, als trüge er eine Scheuklappe.
Mein Kopf war zum schwerelosen Raum geworden. Ich versuchte zu ordnen, wollte den hockenden Mann rausschmeißen - es gelang mir nicht. Bilder kämpften gegeneinander, zerrissen sich und versteckten sich hinter den Leichen der Gefallenen. Ich wendete mich ab, aber meine Augen blieben stehen.