Honoré Daumier: Un buro d'attente d'omnibus, 1862 Monde illustré
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Perlenketten um die Knöchel geben leise klirrend den Auftakt. Zwei goldbraune Beine schwingen sich aus dem Verschlag des Wagons. Sie landen mit einem satten Klack von schwarzen Sandalen sicher auf dem Pflaster, während ein weißes Leinenkleid wie ein zartes Echo nachschwingt. In einem Peitschenknall beugt sich der Kopf und schmeißt ihre Haare nach vorne wie der Mistral einen Ginsterbusch. Und wie Schwanenflügel strecken sich dann von unten zwei schimmernde Hände empor, ziehen die Haare zu den Seiten und setzen dem Kopf einen goldgelbenen Sonnenhut auf, der im Scheine der Laterne wie warmer Ahornsirup über ihr Gesicht fließt. Ihr roter Mund kräuselt sich zu einem Lächeln und trifft wie ein plötzliches Leuchtfeuer genau meine Augen.
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Ich werde selbstverständlich zurücklächeln, wie immer. Werde meinen Mantel aufreißen und ihn eilig um sie zu schlingen, sie vor der herbstlichen Kälte zu schützen. Mit der Geduld eines Beichtvaters höre ich mir ihre sprudelnde Rede an, wie sie von den sprudelnden Quellen des Kurortes erzählt. Von der tapferen Gemeinschaft der Leidenden und ihrer rührseligen Anstrengung das Damoklesschwert, das doch so viele unter ihnen beschattet, zu vergessen. Mit großer Inbrunst werde ich meine Hoffnung vorbringen. Sie darstellen als das Schmiedefeuer meines Lebens, ohne das ich augenblicklich zum toten Gerüst erstarren würde – die Hoffnung auf ihre rasche Genesung.
Mit starker Hand werde ich sie zum Wagen begleiten, ihr glockenhelles Trällern ab und dann durch eine höfliche Frage unterbrechend. Nach dem Grafen werde ich mich erkundigen, natürlich auch nach seiner Gemahlin und seinem Sohn, den leider Gottes auch die Schwindsucht befallen haben soll. Spätestens wenn ich ihr die Trittleiter aufstelle, deren Knarren sie mit einem kindischen Lachen beantwortet, beginne ich zu zittern. Ihr wird nichts auffallen. Nicht wenn ich ihr sage, das Boris ein Hexenschuss plagt und ich leider selbst die Zügel in die Hand nehmen muss. Und auch nicht, wenn ich die Pferde anstatt durch die Stadt, unten an der Promenade entlang lenke.
Der preschenden Kutsche voraus eilt ihr fahles Spiegelbild, schwach glimmend auf der dunklen Oberfläche des Wassers. Vielleicht erscheint in diesem Bild ihr Hut. Der Hut in der Farbe von heißem Ahornsirup. Entfärbt, blass und erstarrt, gepresst an die Scheibe, die sich nur einen Finger weite öffnen lässt. Lange Zeit hielt sie ihn sonst in den Wind, um Schmetterlinge zu fangen, die sie daheim in stumpfen Gläsern zu fetten Raupen machte.
Ihr Glas soll nun die Kutsche werden. Am Angerbach ins Gewässer stürzend, wird ihr klebriger Sirup von mir abgespült hinein in den Hades wo Charon ihn auflecken mag.
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