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Klaus-Peter ist ein zurückgezogener Eigenbrötler. Nur in seiner Wohnung in Bergisch Gladbach fühlt er sich halbwegs sicher, bis eines Tages ein Teppich auf seinem Ballon landet. Seine Satelitenschüssel ist blockiert und zu allem Unglück ist da noch der Nachbar von eins höher, der nicht nur seinen Teppich sucht, sondern auch noch einen Gesprächspartner.
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1.
Amateurvideo. In den Bergen auf einem Waldweg. Tim (9) balanciert auf einem Baumstamm. Seine Mutter, Michaela, rennen neben dem Weg durch den Matsch. Tim dreht sich zur Kamera hin:
TIM
Papa. Guck mal was ich kann. Komm doch auch mal.
Man hört den Mann an der Kamera (Klaus-Peter, 31) antworten:
Jetzt nicht Tim. Ich filme doch.
TIM
Ich kann doch auch filmen. Du gehst über den Baumstamm und ich filme.
KLAUS-PETER
Frag mal deiner Mutter. Die macht das bestimmt.
2.
Vormittags. In Jennifers früheren Zimmer.
Hellblaue Vorhänge, ein Teppich mit roten Männchen zwei mit Styropoor Kugeln gefüllte rosa Sitzsäcke. Ein grauer Büroschreibtisch, eine große Regalwand mit Ordnern, Büchern, Videokassetten und CDs. Vor einem Fernseher, der im Regal steht, sitzt Klaus-Peter (51) auf einem Bürostuhl. Er spult die soeben kurz angespielte Videokassette zurück, nimmt sie aus dem Rekorder. Er öffnet eine Schublade unter dem Schreibtisch und entnimmt ihr ein Blankoetikette, mit dem er das Etikette auf der Videokassette „1985. 2.7.-17.7. Bozen. Sommerferien." sorgfältig überklebt. Aus einer aktuellen Fernsehzeitschrift schreibt er ab: „Kochen mit Tim Mälzer, 7. Folge" Dann legt er die Kassette wieder in den Videorekorder ein und schaltet Receiver und Fernseher ein.
„Kein Signal" erscheint auf dem Fernseher. Klaus-Peter räumt die Geräte aus dem Regal, kontrolliert die Anschlüsse und gibt jedem Gerät einen kräftigen Schlag. Es geht immer noch nicht.
3.
Er schaltet alle Geräte aus, geht in die Küche und nimmt sich eine Dose Bier. Öffnet sie und geht weiter durch sein Schlafzimmer auf den Balkon. Eine ruhige Wohnsiedlung mit Mehrfamilienhäusern aus den 60er Jahren. Vom Balkon ein Stockwerk höher (3.Stock), hängt ein Teppichläufer herunter und baumelt genau vor seiner kleinen Satellitenschüssel. Klaus-Peter schaut sich um und geht dann schnell wieder rein um das Bier wegzustellen. Dann schaut er sich den Teppich von Nahem an; er ist trocken. Er beugt sich über die Brüstung und guckt, ob er oben jemand sehen kann. Er räuspert sich. Da niemand reagiert, zündet er sich eine Zigarette an. Nach einiger Zeit guckt er auf die Uhr und beschließt etwas zu unternehmen. Er versucht den Teppichläufer auf die andere Seite der Satellitenschüssel zu schlagen. Dabei zieht er zu kräftig. Der gesamte Läufer fällt herunter und nur knapp schafft Klaus-Peter ihn festzuhalten.
HERR GRUBER (67)
(über die Brüstung des Balkons eine Etage höher gebeugt. Schaut Klaus-Peter erstaunt zu)
Was soll das denn?!
Klaus-Peter erschrickt und lässt den Teppich ganz fallen. Er landet mit der Unterseite zuerst in einer Pfütze auf dem Parkplatz vor dem Haus.
Tach Herr Niemann. Fliegender Teppich oder was?
Klaus-Peter weicht zurück auf seinen Balkon. Herr Gruber kann ihn nicht mehr sehen.
Wollten sie mal fliegender Teppich spielen? Herr Niemann.
KLAUS-PETER
Mein Empfang war gestört.
Hundegebell unten auf dem Parkplatz.
HERR GRUBER
Wie bitte?
FRAU GERHARDTS (74, unten auf dem Parkplatz)
Ist gut, Falk. Ist ja gut.
Die Leute sind so unachtsam heutzutage.
Hallo. Können sie nicht aufpassen?
KLAUS-PETER
Sie haben meinen Empfang gestört!
HERR GRUBER
Herr Niemann. Sie haben meinen Teppich heruntergeschmissen!
Klaus-Peter schaut auf die Uhr. Er geht zurück zu seinem Fernseher, nimmt auf dem Weg einen Schluck Bier und schaltet ihn wieder ein. Erneut kommt die Nachricht. „Kein Signal." Er reißt wütend an den Kabeln herum und geht hektisch durch die Menüsteuerung des Receivers. „Satellitenposition nicht erkannt" ist zu lesen. Er greift aus einem Schrank im Flur einen Werkzeugkasten und macht ihn auf. Schlüssel, Schrauben, Bohrer. Alles ist gut geordnet. Nur ein Imbußschlüssel fehlt. Er findet ihn nach hektischem Suchen am Boden des Werkzeugkasten und setzt ihn an seinen Platz. Dabei räumt er ausversehen die Fernbedienung des Receivers in den Kasten. Dann geht er zurück auf den Balkon und macht sich an der Halterung der Satellitenschüssel zu schaffen. Wieder erschrickt er, als Herr Gruber, der mittlerweile unten auf dem Parkplatz steht, zum ihm hoch brüllt.
HERR GRUBER
Ich hab neulich auch an meiner herum geschraubt. Das macht's meistens noch schlimmer.
Klaus-Peter reagiert nicht, sondern schraubt wütend weiter.
FRAU GERHARDTS streichelt ihren Hund Falk
Das ist ja auch nicht ungefährlich.
HERR GRUBER
Was haben sie denn. Eutelsat oder Astra?
Bei Eutelsat liegt es oft am Wetter.
Er ist damit beschäftigt den Teppich wieder einzurollen. Dabei entdeckt er einen dunklen Fleck.
Da haben sie aber genau ins Schwarze getroffen.
FRAU GERHARDTS
Das sind die Polen. Bei denen tropft immer Öl raus.
Klaus-Peter beginnt mit einem kleinen Hammer den Satellit n. links zu hämmern.
HERR GRUBER
Das ist ohnehin nen alter Teppich. Und mit nem Dampfreiniger kriegt man das sicher raus. Sie haben sich doch neulich so nen Teil bestellt. Merlin MagicMyst. So heißen die doch.
KLAUS-PETER
Verdammt noch mal. Ich hab ihren Teppich nicht dreckig gemacht. Können sie mich jetzt mal meine Arbeit machen lassen?
HERR GRUBER
Geht's ihnen noch gut Herr Niemann? Wenn sie da wie so nen wilder Specht an ihrer Schüssel rumhämmern. Das bringt sowieso gar nichts.
Jetzt schauen sie sich bitte mal meinen Teppich an. Verdammt noch mal. Den haben sie runtergeschmissen!
4.
Klaus-Peter geht wieder rein und schließt die Balkontür hinter sich. Er schaltet Fernseher und Receiver wieder ein. „Neuer Satellit gefunden. Zum Sendersuchlauf bitte OK, drücken." Er sucht die Fernbedienung des Receivers und gerät mehr und mehr in Rage. Zunächst sucht er das Fernsehzimmer ab, dann die Küche. Schließlich sein Schlafzimmer. Dabei fegt er ganze Buchreihen aus einem Regal, kippt den Küchentisch um und reißt einen Vorhang herunter. Schließlich setzt er sich auf sein Bett und trinkt das Bier aus. Es klingelt an der Tür. Er bleibt sitzen.
5.
Dann geht er zurück in das Fernsehzimmer, schaltet Fernseher und Videorekorder ein und schaut einige Sekunden lang nochmals die Aufnahmen seiner Familie an. Er nimmt die Videokassette heraus und versucht das Blankoetikette wieder abzukratzen. Ohne Erfolg legt er sie schließlich wieder in die Hülle und stellt sie sorgfältig in das verwüstete Regal. Nachdenklich raucht er eine Zigarette.
Schließlich steht er resolut auf, holt aus einer Besenkammer den Dampf Reiniger „Merlin Magic Myst" und trägt ihn eine Etage höher. Vor Herrn Grubers Tür stellt er ihn ab und legt einen Zettel dabei. „Bitteschön." Darunter die krakelige Zeichnung eines Spechts.
Klaus-Peter geht er zurück in seine Wohnung und beginnt aufzuräumen.
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