Als Arbeitsgemeinschaft von kunstbegeisterten Studenten und dem Theater DIE RABEN in Bonn wurde im Mai 2002 das Projekt Fremdwerk ins Leben gerufen. In medialen und künstlerischen Experimenten setzten sich die Teilnehmer des Projekts mit Fremdheit auseinander. Ihre Selbstversuche bauten die "Fremdwerker" zu einem konkreten Workshopprogramm aus. In 6 Workshops lernten Schüler der Bertolt-Brecht-Gesamtschule, der August-Macke-Schule und der Gesamtschule Godesberg in angeleiteten
künstlerischen Aktionen eine andere Art der Begegnung mit dem Gegenüber, dem Anderen, dem Fremden. Zum Abschluss des Projekts organisierten die Fremdwerk-Macher zusammen mit den Schülern eine Ausstellung im Theater DIE RABEN in Bonn-Beuel. Bilder, Performances, eine Klanginstallation und die »Philosophie« des Projekts wurden eine Woche lang im Rahmen des Bonner Schultheaterfestivals der Öffentlichkeit präsentiert. Einige der Ergebnisse dieser Ausstellung und der vorangehenden Arbeit sind hier festgehalten, als dauerhafte Erinnerung an Fremdwerk und als Anregung für ähnliche Projekte.
Fremdheit hat nur am Rande mit Nationalität oder Hautfarbe zu tun. Als existentielle Lebenserfahrung begleitet Fremdheit unseren Alltag. Als Fremde sind wir alle gleich. Was uns unterscheidet, ist der Umgang mit dem Fremden. Das Fremde, das Andere, stellt uns selbst radikal in Frage. Also das Fremde ausmerzen? Wer das Fremde ausschließt, verschließt sich vor sich selbst.
Für diese Ausstellung hat Fremdwerk Versuchsanordnungen geschaffen, die die Teilnehmer dazu führen, sich mit dem Fremden auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse sind Formen des Umgangs mit Fremdem. Aus dem Freiraum des ästhetischen Spiels sollen diese „Umgangs-Formen" Denkanstoß sein für eine Gesellschaft, die sich zunehmend bedroht fühlt durch die Anwesenheit des Fremden. Sie sind ein weiterer Schritt in der Vorbereitung zu unserem Weg in die Transfremdenz.
Teresa Bockor Hans-Dieter Ilgner Patrick Hahn Max Wallraff
Das Fremdwerkmanifest
Fremde sind wir uns selbst.
Ich ist ein Anderer.
Das Unheimliche ist das allzu Heimliche.
Toleranz ist Ignoranz.
Abwehr von Fremdem ist eine natürliche Reaktion.
Transfremdenz.
Wenn etwas so ist, dann könnte es auch anders sein.
GEH FREMD.
Die Aktionen
Wenn etwas so ist, dann könnte es doch auch anders sein
Die Begegnung mit Fremdem ist immer auch die Begegnung mit einer anderen Ordnung, einer anderen Struktur. Aufeinander losgelassen, verläuft keine Entscheidung folgenlos. Die Wahl des Pinsels, die Wahl der Farbe, die Wahl der Form bestimmen den Fortgang eines Wettstreits, in dem die Behauptung der Form zur Selbstbehauptung wird, die Selbstbehauptung zu einer Formfrage. Wie so oft: Die Entscheidung fällt im Mittelfeld. Im Blick auf das Ganze wird das Zentrum des Konflikts zu einem Teilstück. Sie sehen Trypticha für zwei, die hier zu einer Installation zusammengeführt wurden. Der einzelne Konflikt relativiert sich im Kontext der anderen Bilder. Umso nachdrücklicher tritt die persönliche Bildsprache hervor.
Ablehnung von Fremdem ist eine natürliche Reaktion
Könnten sie ein wenig Platz machen? Auf der Fläche von 1 m2 werden persönliche Räume nicht nur gestreift, in den persönlichen Raum dringt die physische Gegenwart Anderer beständig ein. Den Zustand der Lähmung, der Ablehnung und des Stillstands zu überwinden, den die stille Attacke fremder physischer Präsenz hervorruft, bedarf es des kreativen Umgangs mit den Energien der Konfrontation. Bei der Schlacht von Verdun gab es pro Quadratmeter acht Tote - so weit soll es nicht kommen. Doch die Frage bleibt, wie viele Zwischen-Räume gibt es auf 1m2.
Ich ist ein Anderer
20 Sekunden - selten bleibt mehr Zeit, uns selbst der fremden Welt zu präsentieren. Dass die eigene Stimme, sobald sie eingesetzt wird, ein Eigenleben zu führen beginnt, sich unserer Kontrolle entzieht, macht dieses Unterfangen nicht leichter und unterstreicht die Erfahrung, dass „Ich" manchmal „ein Anderer" ist. Versuche, der Welt eine Mitteilung zu machen. Verstecke ich meine Stimme oder ist die Selbstinszenierung das sicherste Versteck? Die Antwort geben Sie: bitte nach dem Signalton.