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Konzept für eine Inszenierung von Lessings Emilia Galotti Drucken E-Mail

Thomas Gainsborough, Die Töchter des Malers, 1759, London, National Gallery

Thomas Gainsborough, Die Töchter des Malers, 1759, London, National Gallery

Lessings Emilia Galotti gehört seit jeher zum Kanon des Deutschunterrichts und, um dem zu entsprechen, bringen auch die Theater das Stück regelmäßig in mehr oder weniger neuen Inszenierungen auf die Bühne und auch Verfilmungen gibt es mittlerweile ein halbes Dutzend. Was steckt dahinter? Hohles Traditionsdenken, Götzendienst für die Galionsfigur der deutschen Aufklärung oder birgt das Stück tatsächlich Figuren und Themen für lebendiges Theater auch 236 Jahre nach seiner Uraufführung? Eine Frage, die sich nur schwer theoretisch erörtern lässt. Ich habe deshalb ein konkretes Konzept für eine aktuelle Aufführung erarbeitet. Über die Hindernisse und überraschenden Fügungen, die diesen Weg begleiteten, komme ich zu einem persönlichen Urteil über Emilia Galottis »Unsterblichkeit«.

Vorrede

Die folgende Skizze einer möglichen Inszenierung von Emilia Galotti erfordert eine Reihe von Kürzungen im Dialog des Original-Texts, die im Einzelnen nicht angegeben sind, sich aber im Groben aus den beschriebenen Handlungen ergeben. Hinzufügungen zum Dialog sind nicht geplant. Wohl gibt es aber einige, neue, kurze, stummen Szenen, die mit Geräuschen oder Musik untermalt werden sollen. Die Figuren Camillo Rota und Pirro und ihre Szenen sind komplett gestrichen. Der Kammerdiener und Battista sind in der Chauffeurin zu einer Figur zusammengefasst.

 

I

Guastalla, eine Großstadt. Ein Morgen kurz vor Ostern. Dunst liegt über dem Marktplatz, hier und da eine Pfütze. Händler legen ihre Waren aus. Brötchen, Billig-Schmuck, Wein, Käseräder, gefälschte Adidas-Schuhe, Obst und Ostereier. Zwei Frauen kaufen Äpfel. Männer in Anzügen auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich lächeln die Händler und winken.

 

Der Prinz (27), ein drahtiger Mann, gekleidet in scheinbar willkürlich, bunt zusammengeworfenen Klamotten unternimmt einen Großeinkauf. Er probiert, lächelt und packt in Körbe bis nichts mehr hineinpasst. Dreist drängen ihm die Händler weitere Sachen auf. Über die Bittsteller klagend, flüchtet er.

Eine junge Frau in Chauffeursuniform kommt ihm entgegengeeilt. Sie nimmt ihm einen Korb ab und deutet auf ein elegantes Cadillac-Cabriolet. „Emilia - Limousinen allerorten".

Er zahlt den geforderten Preis und steigt ein. Auf der Heckscheibe wird, wie in alten Filmen, eine nach hinten verschwindende Straße projiziert.

 

Der Prinz telefoniert und winkt, sich weit aus dem Fenster lehnend, dem vorbeilaufenden Bildhauer Conti zu. Sie unterhalten sich über Kunst und Conti labt sich an den erworbenen Köstlichkeiten. Hinter ihnen verändert sich die Szenerie:

Eine Vernissage.

Ausstellungsbesucher schlendern zwischen den Kunstwerken. Der Prinz und Conti steigen aus. Conti führt den Prinzen zu einer lachsfarbenen Stahl-Plastik, kubistischen Stils. Es ist das Abbild der Gräfin Orsina, als Kriegerin mit emporgerecktem Schwert.

Dann die helle, weiche Holzskulptur einer schlafenden Frau - Contis Portrait von Emilia. Der Prinz kommt ins Schwärmen und trägt die hölzerne Emilia unter großen Anstrengungen in den Cadillac. Jetzt erst erkennt man, dass sie die rechte Hand zur Faust geballt hat.

 

Dicklich, klein, hektisch. Der Marchese Marinelli (41), in einem dunklen Samtanzug, trägt ein Geschenk, in rotes Seidenpapier eingewickelt. Er geht durch die Ausstellung von Grüppchen zu Grüppchen, grüßt und gibt hier und da ein etwas ungeschicktes Verschwindibus-Zauberkunststück zum Besten. Er sieht den Prinzen und will sich neben ihn auf die Rückbank des Cabriolets setzen. Der Prinz streckt seine Beine aus, so dass Marinelli nur der Platz neben der Chauffeurin bleibt. Mit großer Geste überreicht Marinelli das Geschenk, das der Prinz mit kurzem Dank quittiert und ungeöffnet liegen lässt. Marinelli berichtet von der Gräfin Orsina. Der Prinz reagiert gelangweilt. Er fragt Marinelli „Geht denn gar nichts vor in der Stadt?", steht auf und brüllt die Frage durch ein Megafon zu den Ausstellungsbesuchern hinüber, die spontan applaudieren.

Marinelli überlegt angestrengt und erzählt von Appianis anstehender Hochzeit mit Emilia Galotti. Der Prinz ist mit einem Mal wie versteinert. Lange Zeit sitzt er stumm da und spielt mit dem elektrischen Fensterheber. Die Chauffeurin dreht das Radio auf. Der Prinz schaltet es wieder ab und setzt sich vorne auf die Motorhaube. „Sie sehen mich einen Raub der Wellen: was fragen Sie viel, wie ich es geworden?" Die Frage kann Marinelli nicht beantworten.

Er hat aber einen Plan.

 

II

Eine geschäftige Straße in der gleichen Stadt. Staubige Luft. Baustellen, Verkehr, Passanten und ein armseliger, bleicher Straßenmusiker (Angelo), der Trompete spielt. In der Mitte das ordentliche Haus der Galottis, von einem hohen Zaun umgeben. Im Inneren ist Claudia Galotti (47) gerade dabei ihrer Tochter für die Hochzeit den Busen auszustopfen. (ihre Unterhaltung wird vom Lärm überdeckt)

Emilia (21) trägt ein 50er-Jahre-Kleid mit Blümchen. In ihr langes, schwarzes Haar sind rosa Bändchen eingeflochten. Die Prozedur ist Emilia unangenehm, während Claudia (in simpler Jeans dazu Wollpullover) wie ein Maler voller Stolz ihr Werk betrachtet. Sie holt einen Karton und entnimmt ihm ein Paar Stöckelschuhe. Emilia steht wackelig und betrachtet ihr Gesicht in einem Spiegel. Sie hüllt sich in einen Umhang, sagt etwas zu ihrer Mutter und verlässt das Haus. Unsicher geht sie mit gesenktem Blick die Straße hinunter.

Claudia beginnt zu bügeln. Um sie herum liegt die bescheidene Habe ihrer Tochter bereit zum einpacken. Nichts Besonderes:

Seriöse, dunkle Festtagsmode - Schuhe, Kleider, Blusen. Außerdem Notenhefte, Bücher, eine Yoga-Matte und Balletttrainingstenue, Toilettenartikel.

 

Odoardo (52), in einem dunklen Maomantel, kommt steifen Ganges auf das Haus der Galottis zu. Er wirft dem Straßenmusiker einen mitleidigen Blick zu. Beim Hereintreten in den Vorgarten wirft er einige Prospekte weg, die jemand unter dem Zaun durchgeschoben hat. Misstrauisch begrüßen sich Odoardo und Claudia. Odoardo zieht die Vorhänge zu und setzt sich in einen Korbsessel. Während sie sich über Emilias Verbleib unterhalten, wird das Trompetenspiel immer lauter und schräger. Odoardo tritt aus dem Haus und fordert den Straßenmusiker auf, sich einen anderen Platz zu suchen, was dieser erst unter Zuhilfenahme einiger Münzen einsieht.

Verstimmter Laune unterhält sich Odoardo mit Claudia über Emilias Erziehung. Nur als die Sprache auf den Grafen Appiani kommt und dessen Wunsch „sich selbst zu leben" ist Odoardo mit einem Mal begeistert. Als er dann aber von dem Prinzen und seinen Komplimente gegenüber Emilia hört, verlässt er wie ein gekränkter Arzt, dessen Rat man abgewiesen hat, das Haus.

„Welch ein Mann! - Oh, der rauhen Tugend! - wenn anders sie diesen Namen verdienet.", analysiert Claudia und verschwindet im hinteren Teil des Hauses.

 

Barfuss, die Schuhe in der Hand und ohne Umhang rennt Emilia, so schnell sie kann, auf das Haus zu. Einer der Träger ihres Kleides rutscht. Sie will das Zauntor aufschließen, kann aber ihren Schlüssel nicht finden und klettert panisch über den Zaun. Der Prinz rennt ihr hinterher, bleibt jedoch vor dem Zaun stehen. Nachdenklich geht er um das Haus herum. Eingewickelt in dem Vorhang schaut Emilia ihm zu. Er setzt die Hände an, um über den Zaun zu klettern. Angesichts der nahenden Schritte eines Passanten lässt er jedoch von seinem Vorhaben ab und eilt davon. Im Abgehen stößt er gegen den Straßenmusiker und schubst ihn wütend zu Boden.

Außer sich kommt Emilia hinter dem Vorhang hervor. Sie betrachtet sich im Spiegel, kippt sich Wasser über ihr Gesicht und wischt die Schminke ab. Dann zieht sie das Kleid aus, zerschneidet es und schlüpft in ihre Balletttrainingstenu. Mit starrem Gesicht zwingt sie sich zu komplizierten Ballettübungen, die sie dutzende Male, bis ihr der Schweiß in Strömen herunter läuft, wiederholt. Claudia will sie streicheln, wird aber abgewiesen. Erst nach langem Schweigen bricht es aus Emilia heraus und sie erzählt von ihrer Begegnung mit dem Prinzen in der Kirche. Nach und nach beruhigt sie sich und beginnt hastig ihre Sachen einzupacken, wobei sie fast alles aussortiert und nur einen kleinen Rucksack vollmacht.

Graf Appianis (35) Motorrad (mit Beifahrerausleger und Kindersitz) hält vor dem Haus.

Er füllt Öl nach und betritt das Haus mit Cowboy-Schritt und in Ledermontur. Emilia versteckt das zerschnittene Kleid, springt ihm fröhlich entgegen und zeigt stolz ihren kleinen Rucksack. Er bleibt verschlossen und setzt sich in den Korbsessel. Besorgt blättert er in einer Landkarte, während Claudia einen Proviantkorb bringt. Erst als Claudia den Grafen auf ihren fehlenden Brautschmuck aufmerksam macht, wird er ihrer richtig gewahr. Emilia geht ab, sich nochmals umzuziehen.

 

Claudia lässt Marinelli herein. Er begrüßt sie und zieht ihr dabei ein buntes Tuch aus dem Ärmel und lacht laut. Feierlich überbringt er dann Appiani den Auftrag des Prinzen.

Appiani macht sich zunächst heimlich, schließlich, ihn schamlos nachäffend, über Marinellis prätentiöses Gehabe lustig. Marinelli bittet ihn zum Zweikampf auf die Straße. Er krempelt sich die Ärmel hoch und entblößt dabei das Zaubertuch, das in eine Pfütze fällt. Der Panne folgt eine ganze Serie von weiteren Tollpatschigkeiten, die den Zweikampf zur Farce werden lassen. Unter dem Hohngelächter einiger Passanten verlässt Marinelli die Szene.

Appiani ist zufrieden und trägt die Proviantkiste zu seinem Motorrad. Claudia setzt sich neben ihn mit Sonnenbrille. Schließlich kommt auch Emilia, gekleidet wie eine Indianerin. Sie springt vergnügt hinter Appiani auf und singt „Go West, life is peaceful there..." .

Der Vorhang fällt.

 

Zwischenspiel: Marinelli steckt dem Straßenmusiker Angelo eine Pistole zu. Dann beredet er sich heimlich mit der Chauffeurin und gibt ihr Geld.

 

III

Ein japanischer Garten bei Mittagssonne:

In der Mitte ein schwarzer Teich gesäumt von filigran arrangierten Felsformationen. Drumherum geharkte Sandbeete und saftig grünes Gras. Im Hintergrund ein Teehaus, an dessen Eingang die Stahl-Plastik der Orsina lehnt. Der Prinz sitzt in Shorts auf einem Felsen, raucht und flitscht geschickt Steine ins Wasser.

Verdeckt durch einen Busch parkt der Cadillac vorne rechts. Auf seiner Motorhaube die Holzskulptur von Emilia.

Marinelli, immer noch im dunklen Anzug, tritt von links auf und betrachtet einige Zeit bewundernd den Prinzen. Dann berichtet er, wie Graf Appiani sein Angebot ausschlug.

Er lügt über den Hergang des Zweikampfs. Der Prinz erzählt ihm unwirsch von der Begegnung mit Emilia und springt mit einer Rolle vorwärts in den Teich.

Zwei Schüsse knallen und eine Trompete ertönt schräg. Marinelli klärt den Prinzen über seinen Plan B auf. Kurz darauf tritt Angelo wie aus dem Nichts hinter einem Busch hervor. Er trägt eine bunte Maske aus Federn. Marinelli reicht Angelo eine Geldbörse, worauf er ihm die Pistole zurückgibt. Marinelli wischt sie ab und wirft sie in den Teich.

(Der Dialog zwischen den beiden (III.2) fällt weg)

 

Der Prinz sieht Emilia, die in Begleitung der Chauffeurin auf den Garten zukommt. Er versteckt sich im Cadillac. Marinelli duckt sich hinter einen Felsen.

Die Chauffeurin versichert Emilia, ihre Mutter zu suchen und eilt davon. Emilia setzt sich auf einen Stein und wartet, bis sie wieder zu Atem kommt. Langsam weicht ihr Schrecken und ehrfürchtig sieht sie sich um. Der Prinz beobachtet sie wie verzaubert. Emilia bemerkt schließlich die Hose des Prinzen, die noch auf einem Felsen liegt und untersucht und beschnuppert sie. Plötzlich tritt Marinelli an sie heran. Der Prinz, ein Handtuch um die Hüfte geschlungen, stellt sich ihr gegenüber auf die andere Seite des Teiches. Emilia erschrickt.

Marinelli eilt nach vorne ab. Der Prinz entschuldigt sich für seine Nachstellungen am Morgen. Dann zieht er sich, ohne Emilia anzuschauen nackt aus und springt kopfüber in den Teich. Emilia betrachtet besorgt das Wasser, aber der Prinz bleibt verschwunden. Sie zögert. Dann zieht sie sich hastig aus und taucht ihm nach. Als man sie nicht mehr sieht, taucht auf der anderen Seite des Teiches der Prinz auf. Er sieht Emilias Kleider und taucht wieder unter. Emilia taucht auf der anderen Seite kurz auf und verschwindet wieder. Nach einiger Zeit tauchen sie zusammen auf. Dann sind sie nicht mehr zu sehen.

 

Marinelli kommt wieder in Begleitung von Claudia und der Chauffeurin. Claudia verlangt vehement nach ihrer Tochter und beschuldigt Marinelli, den Tod des Grafens eingefädelt zu haben. Emilia und der Prinz stehen nebeneinander im Wasser, noch unentdeckt. Emilia wendet sich hilfesuchend an den Prinzen, der ohne sie anzusehen, schnell wieder abtaucht. Claudia bemerkt Emilia und rennt, sie aus dem Wasser zu retten. Marinelli bringt das Handtuch des Prinzen (mit einem „Guastalla"-Aufdruck). Besorgt betrachtet Claudia ihre Tochter, die sich ihr an den Hals wirft. Sie gehen in Richtung Teehaus. Emilia bleibt auf halbem Wege stehen und schaut entsetzt zurück zum Teich.

 

IV

Sobald sie verschwunden sind, steigt der Prinz aus dem Teich. Marinelli nähert sich zögerlich und will ihm beim anziehen helfen. Der Prinz weist ihn jedoch ab und befragt ihn zum Tode des Grafen. Marinelli ist gekränkt und mit heimlicher Häme erklärt er, warum der Verdacht sehr leicht auf den Prinzen fallen könnte, verspricht dann aber gönnerhaft ihm zu helfen.

Der Prinz, plötzlich voller Sorge, bittet Marinelli ihn gegenüber der nahenden Orsina zu vertreten und flüchtet sich abermals in den Cadillac, wo er sich mit Wein und Leckerein abzulenken sucht.

 

Die Gräfin (38) ist eine kleine, etwas kindlich wirkende, pummelige Dame in einem hellgrünem Kostüm. Wie eine Wespe schwirrt sie auf Marinelli los und sticht ihn mit ihren scharfsinnigen Diagnosen. Er steht mit dem Rücken zum Teich, schwitzt in seinem dunklen Anzug und sieht hilfesuchend zum Prinzen herüber. Dieser tut jedoch nicht mehr als kurz hervorzutreten und einen Gruß zu stammeln. Dann legt er sich auf die Motorhaube seines Cadillacs  neben die Holzfigur der Emilia und schläft ein.

Die Gräfin hat in der Zwischenzeit das abgelegte Indianer-Kleid von Emilia entdeckt und drängt Marinelli, ihr die Wahrheit oder zumindest eine erfundene Wahrheit zu kolportieren. Marinelli, enttäuscht vom Prinz, erzählt ihr von dem Überfall, den die Gräfin sofort in Verbindung mit dem Prinzen bringt. Sie wendet sich zum Publikum um ihre Vermutung zu verkünden, wird jedoch im letzten Moment von der Ankunft Odoardos abgelenkt.

 

Odoardo balanciert über einige Steine, um nicht durch den sauber geharkten Sand stapfen zu müssen und grüßt ehrerbietend. Sobald Marinelli verschwunden ist, rückt Orsina zwei kleine Felsbrocken zurecht und lädt Odoardo ein, sich zu setzen. Sie erzählt in vertraulichem Tone und wiegelt Odoardo gegen den Prinzen und seine Tochter auf. Aus ihrer Handtasche zieht sie einen Revolver und reicht ihn Odoardo, der aufsteht, ihn mit pathetischer Geste lädt und in seinen Gürtel steckt.

 

Claudia kommt aus dem Teehaus um Emilias Kleider holen. Sie erschrickt über Odoardo und Orsina und beeilt sich, Emilias und ihre Unschuld zu beteuern. Odoardo gibt sich souverän und gelassen und überredet Claudia mit Orsinas Hilfe zurück nach Guastalla zu fahren. Claudia und Odoardo sind bereits gegangen, während Orsina die Kriegerinnen-Stahl-Plastik nach vorne trägt und in ihren schützenden freien Stahlarm, die Holz-Skulptur der Emilia legt. Die letzten Kräuseln im Wasser des Teiches glätten sich.

 

V

Der Prinz schläft immer noch auf der Motorhaube des Cadillacs. Hin und wieder wirft er sich unruhig hin und her.  Das Wegnehmen der Holz-Emilia hat er nicht bemerkt. Marinelli hockt hinter einem Felsen und beobachtet Odoardo, der die beiden Felsbrocken wieder in ihre ursprüngliche Position bringt, seinen Mantel auszieht, die Pistole neben sich legt und sich ans Ufer des Teiches hockt.

 

Mit einer gezielten Andeutung zum weiteren Schicksal von Emilia bringt Marinelli Odoardo aus der sich erarbeiteten Ruhe und verschwindet wieder, den Prinzen zu wecken.

 

Odoardo kehrt dem nahenden Prinzen den Rücken zu. Er zieht die Pistole, der Hahn klickt.

Er hört die freundliche Begrüßung des Prinzen und dreht sich zu ihm um, die Pistole wieder unter dem Mantel. Marinelli überrumpelt sowohl den Prinz als auch Odoardo, als er sich als Freund des getötetem Grafen ausgibt und seine Absicht erklärt, den Mörder zu suchen.

Odoardo steht wie gelähmt und schaut zu, wie Marinelli zufrieden zum Publikum hin abgeht, während der Prinz müde die Chauffeurin ausschickt, Emilia zu holen und dann Marinelli folgt.

 

Vollkommene Stille tritt ein. Odoardo holt aus, um die Pistole in den Teich zu werfen, da tritt Emilia auf.

In ihrer Balletttenu schreitet sie graziös um den Teich. Odoardo wundert sich über ihre Ruhe und befragt sie misstrauisch. Emilia antwortet in einem fatalistischen Tone, bittet ihn dann aber inbrünstig mit ihr zu fliehen.

Odoardo schüttelt resigniert den Kopf und erzählt von der Absicht des Prinzen, als sei es ein Gesetz. Emilia fühlt sich verraten. „Als ob wir, wir keinen Willen hätten, mein Vater!" „Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt."

Sie schaut ihren Vater an, als sei auch er verführt worden. Dann nimmt sie ihm die Pistole ab und klettert auf einen Felsen nah am Teich. Sie beginnt zu tanzen. In klassischen, strengen Ballettformen über die Felsen. Arabesken, pliés, jetés, fouettés und battements. Plötzlich bleibt sie stehen, drückt die Pistole an ihrem Kopf ab und fällt kopfüber in den Teich.

Der Prinz kommt von vorne, Marinelli von hinten herbeigelaufen. Odoardo fragt ihn, ohne ihn anzusehen. „Reizt sie noch Ihre Lüste? Noch, in diesem Blute, das wider Sie um Rache schreiet?"

Der Prinz wiederum zu Marinelli, „Nun? Du bedenkst dich? Ist es, zum Unglücke so mancher, nicht genug, daß Fürsten Menschen sind: müssen sich auch noch Teufel in ihren Freund verstellen?"

Marinelli steigt in den Teich und zieht Emilias Leiche ans Ufer.

 

Bildteil

Rush Hour Max Weber, 1915  Abgedr. in: Palazzo Grassi,  Futurismo & Futurismi,  Bompiani, 1986, Milan

Rush Hour Max Weber, 1915

Abgedr. in: Palazzo Grassi,

Futurismo & Futurismi,

Bompiani, 1986, Milan

The Street enterst the House  Umberto Boccioni, 1911  Abgedr. in:  Palazzo Grassi, Futurismo &  Futurismi, Bompiani,  1986, Milan

The Street enterst the House

Umberto Boccioni, 1911

Abgedr. in:

Palazzo Grassi, Futurismo &

Futurismi, Bompiani,

1986, Milan

 


Cadillac Eldorado Abbildet in www: http://www.cadillacforums.com 15-06-06

Cadillac Eldorado
Abbildet in www:
http://www.cadillacforums.com
15-06-06


Garten des Makaya-ji-Tempels Abgedr. in: Günther Nitschke, Japanische Gärten, Taschen, 1993, Köln

Garten des Makaya-ji-Tempels
Abgedr. in:
Günther Nitschke, Japanische
Gärten, Taschen, 1993, Köln

Burberry Mantel Abgedr. in: Francois Baudot, Die Mode im 20. Jahrhundert, Schirmer/ Mosel, 1999, München

Burberry Mantel
Abgedr. in:
Francois Baudot, Die Mode im
20. Jahrhundert, Schirmer/
Mosel, 1999, München

Besticktes Kleid, Lempereur,  1955  Abgedr. in: Francois Baudot,  Die Mode im 20. Jahrhundert,  Schirmer/Mosel, 1999,  München

Besticktes Kleid, Lempereur,

1955

Abgedr. in: Francois Baudot,

Die Mode im 20. Jahrhundert,

Schirmer/Mosel, 1999,

München

Garten der Villa Murin, Kyoto Abgedr. in: Günther Nitschke, Japanische Gärten, Taschen, 1993, Köln

Garten der Villa Murin, Kyoto
Abgedr. in:
Günther Nitschke, Japanische
Gärten, Taschen, 1993, Köln

Mao Tse Tung  Abgedr. in:  Francois Baudot, Die Mode  im 20. Jahrhundert,  Schirmer/Mosel, 1999, München

Mao Tse Tung

Abgedr. in:

Francois Baudot, Die Mode

im 20. Jahrhundert,

Schirmer/Mosel, 1999, München